Schweizer Nationalbank sitzt auf Milliarden Euro und Dollars

Die Schweizer Nationalbank steht vor dem grössten Dilemma ihrer Geschichte. Sie sitzt auf 120 Milliarden (!) Euro und über 54 Milliarden US-Dollars. Beides Währungen, die sie seit Jahren und Monaten immer dazu gekauft hat, um im Markt eine Stütze zu sein. Was vor Jahrzehnten noch genügte – energische Interventionen – sind heute ein klarer Schlag ins Wasser. Es grenzt an Vermessenheit, wenn die Nationalbank bei Kursrückgängen im Dollar und im Euro glaubte, mit wilden Interventionen den Kurszerfall bremsen zu können. Heute werden jeden Tag in den internationalen Finanzmärkten Hunderte von Milliarden (!) gehandelt und umgesetzt. Und ein grosser Teil davon ist Spekulation. Meistens von Hedgefonds, die mit Dutzenden von Milliarden schlagartig in einen Markt eingreifen können. Und es auch öfters tun, da sie sich nichts besseres wünschen können als Nationalbanken, die stur an früheren Zeiten festhalten und dabei als willige Gegenseite ständig Milliardenverluste einfahren …
Die Interventionen, hauptsächlich im Jahre 2010, liegen den Verantwortlichen der Nationalbank schwer auf dem Magen – und jedem Schweizer Bürger schwer auf dem Portemonnaie. Die Nationalbank muss im Juli die Halbjahreszahlen vorlegen. Hält der bisherige Trend des Rückgangs von Dollar und Euro an, blüht ein neues Rekorddefizit. Es hat sich einiges verschlechtert: Die SNB-Goldbestände und die von der UBS in der ­Finanzkrise übernommenen Subprime-Anlagen können das Loch nicht stopfen. Im Gegenteil, die Kurse der verbrieften US-Hypothekenpapiere sind ebenfalls im Sinkflug. Es ist unwahrscheinlich, dass die Nationalbank auf den zehn Milliarden verbleibenden US-Altlasten nochmals Gewinne einfahren kann …
Gemessen am Stand Ende März sind erneut zusätzliche Verluste von acht Milliarden Franken auf Euro und gegen vier Milliarden auf US-Dollar zu verbuchen. Dazu kommen noch zusätzliche notleidende Bestände in kanadischen Dollar-Anleihen und Pfund-Papieren. Die bisher unabhängige Nationalbank wird damit immer mehr auch zum politischen Spielball. Bei weiteren Milliardenverlusten muss sie die traditionelle Ausschüttung an Bund und Kantone für viele Jahre auf Eis legen. Denn schon letztes Jahr hatte die Nationalbank unglaubliche 19 Milliarden Franken an Verlusten eingefahren. Die Reserve für Ausschüttungen an die öffentliche Hand ist auf minus 5 Milliarden Franken (!) gefallen. Dem Bund und noch mehr den Kantonen werden die bisherigen Ausschüttungen in den Budgets böse Löcher reissen. Und noch rollen keine Köpfe …    •

Quelle: «Vertraulicher Schweizer Brief», Nr. 1288, 31. Mai 2011