Die Familie als natürliche Lebensgemeinschaft respektieren und stärken

von Reinhard Koradi, Präsident Verein Jugendberatung, Zürich

Warum ein Beitrag zum Thema «Die Familie als natürliche Lebensgemeinschaft respektieren und stärken»? Und warum greife ich als Familien- und Grossvater dieses Thema auf?
Weil ich mir Sorgen um die Familie mache. Die Familie ist als Lebensgemeinschaft ins Visier verschiedenster familien-, ich würde sogar sagen, menschenfeindlicher Ideologien geraten. Als Grossvater und Vertreter der älteren Generation will ich meine Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation wahrnehmen. Es ist meine Pflicht, mein Wissen, meine Erfahrungen weiterzugeben, und zwar als Vater wie auch als Bürger. Mit meinem Beitrag will ich die Klippen auf unserem Radarschirm ausleuchten, damit wir diese auf Distanz halten und nicht Gefahr laufen, bei der Erziehung unserer Kinder Schiffbruch zu erleiden.
Wegen meiner Herkunft werde ich aus der Sicht eines Schweizers vor dem Hintergrund der christlichen-abendländischen Kultur argumentieren. Ich lade aber alle andern Kulturen herzlich ein, die hier beschriebenen Aussagen auf der Grundlage ihrer eigenen Kultur und Werte zu reflektieren.
In der Familie – durch das Zusammenleben der Eltern mit ihren Kindern – wird das Erbe der kulturellen, gesellschafts- und staatspolitischen Errungenschaften bei der nächsten Generation emotional verankert, unabhängig von den betreffenden Kulturen.

Der Angriff auf die Familie

Verschiedene Zeitströmungen bedrohen und zersetzen die Familie.
Je länger, je mehr wird die Familie zum Spielball gesellschaftspolitischer Ideologen. Meist geschickt getarnt und mit falschem Etikett ausgezeichnet, versuchen die unterschiedlichsten Interessengruppen die Familie für ihre Ziele zu missbrauchen.
Bedenklich ist vor allem das Bestreben, die über Generationen erprobte und bewährte Institution Familie zu diffamieren und aufzulösen. Dabei ist das Zusammenleben von Mutter und Vater mit ihren Kindern naturbedingt. Die Familie ist das Nest, in dem die Kinder heranwachsen, Schutz und Geborgenheit finden. Die Familie ist die Schule des Lebens, in der die kulturellen Grundlagen und die Liebe zum Vaterland gelegt werden.
Die Familie darf als wichtigste Erziehungs- und Bildungsgemeinschaft für das menschliche Zusammenleben bezeichnet werden. Sie ist nicht bloss eine «Organisationseinheit» von beliebiger Ausprägung. Sie ist eine von Mann und Frau bewusst gewählte Lebensgemeinschaft, die in biologischer und sittlicher Hinsicht die Urzelle der Gesellschaft ist.

Familie – eine Burg gegen den Zeitgeist

Innerhalb der Familie wirken noch Kräfte, die ein natürliches Immunsystem gegen die Praktiken der «Veränderung der Gesellschaft» (Social-Engineering) hervorbringen. Es ist daher naheliegend, wenn Gesellschaftsarchitekten und -ingenieure die natürliche Lebensgemeinschaft der Eltern mit den Kindern, die Zelle der menschlichen Gesellschaft, zerstören wollen.
Wie soll denn Zukunft nach den Visionen moderner Zeitgeister aussehen?
•    Es soll eine Elite etabliert werden. Von einer zentralen Kommandostelle aus werden dann die Geschicke der Menschen auf unserem Planeten nach den Vorstellungen einer Minderheit gelenkt.
•    Eine 80/20-Prozent-Gesellschaft soll geschaffen werden. Was bedeutet, dass 80 Prozent der Menschen entmündigt, entwertet und sich der mächtigen Elite unterwerfen sollen.
•    Öko-Aktivisten nehmen die immer wieder beschworene Überbevölkerung und den «Raubbau an den Ressourcen» zum Anlass, eine drastische Reduktion der Weltbevölkerung zu fordern.
•    Die Wirtschaftlichkeit (Ökonomisierung) übernimmt das Primat über das menschliche Leben. Nach ökonomischen Regeln wird über Wert oder Unwert entschieden. Wer nichts nützt, ist wertlos. Die Renaissance des unwerten Lebens steht einmal mehr vor der Tür.
•    Als Waffe gegen Freiheit und Unabhängigkeit wird der Zentralismus eingesetzt. Zwang und Unterdrückung lösen Demokratie und Menschlichkeit ab.
•    In übersichtlichen, kleinräumigen Gebieten kann dieses düstere Zukunftsbild nicht umgesetzt werden, der Nationalstaat muss daher einer Weltregierung weichen.
So schwer es auch zu verstehen ist – es gibt wirklich selbsternannte «Denker» und Denkfabriken, die diese Zukunftsvision veröffentlichen und auch umsetzen möchten. Doch solange natürliche, humanitäre Kräfte gegen diese äusserst verwerflichen, hinterhältigen und menschenverachtenden Absichten Widerstand leisten, wird die Menschlichkeit nicht untergehen.
Hort der Menschlichkeit ist die Familie. Im Zusammenspiel zwischen Eltern, Kindern und Geschwistern werden Werte oder Tugenden, die ein friedliches Zusammenleben innerhalb der Gemeinschaft ermöglichen und die Fähigkeit zur Lebenstauglichkeit erworben.
Daher müssen nach Meinung der Sozialreformer die Schutzfunktionen, die Erziehungs- und Bildungsaufgabe der Familie, ausgehöhlt werden.
«Die Versuche, die Familie zu zerstören, setzen dann auch dort an, wo das Zusammenleben der Eltern mit den Kindern gestört werden kann.»
Mit dem Zerfall von Ehe und Familie verlieren die Menschen die sittliche und kulturelle Orientierung. Orientierungslose Menschen lassen sich leichter in die Irre führen oder manipulieren. Sie büssen ihre Eigenständigkeit, das Selbstbewusstsein ein, werden stumm und lassen sich leichter zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit verführen.
Lassen wir uns aber weder entmutigen noch täuschen. Bis jetzt leisteten die Menschen erfolgreich Widerstand und konnten die Umsetzung dieser düsteren Pläne weitgehend verhindern. Allerdings sind die Techniken und das Vorgehen zur Gesellschaftsveränderung subtiler und perfider geworden.

Die Propaganda oder Manipulation kommt vor dem Wertewandel

Die Vorreiterin neuer Werthaltungen ist die Propaganda. In sämtlichen Lebensbereichen werden Neuorientierungen durch andauernde Wiederholungen von «Glaubenssätzen» eingeleitet. Die Botschaften werden meist verdeckt, gleich dem Wolf im Schafspelz, unter die Leute gebracht.
Die Gleichstellung von Mann und Frau, Chancengleichheit, Natur- und Umweltschutz, Harmonisierung, Suchtprävention, Schutz vor sexuellen Übergriffen, Toleranz, offene Gesellschaft, Antirassismus, Diskriminierungsverbot, Selbstbestimmung und Integration sind solche Worthülsen, die in der Regel von den Menschen positiv aufgenommen werden. In den Hülsen selbst verbirgt sich aber oft ideologischer Sprengstoff, der die Gesellschaft durchschütteln und damit den Boden für tiefgreifende Veränderungen des gesellschaftspolitischen Konsenses vorbereiten soll.
In der Vergangenheit konnten wir viele Reformvorhaben mitverfolgen. Gleich ob es um Schule, Kirche oder das Gesundheitswesen ging, immer wurden im Vorfeld der Veränderung die Institutionen oder deren Exponenten angegriffen und in Misskredit gebracht. Die Umweltbelastung des Wirtschaftens, die Ausbeutung der Arbeitnehmer, die Schule als Zahnrädchenschleiferin, die Lehrer als Parasiten der Gesellschaft, die Kirche als unzeitgemässes Relikt der Vergangenheit, die Ärzte wegen ihres Standesdünkels und die Staatsbetriebe oder die Beamten wegen ihrer in­effizienten Arbeitsweise.
Und mit Bezug auf die Familie werden die autoritären Eltern respektive die totalitäre Erziehungspraxis angeprangert. Die familienfeindlichen Ideologen argumentieren: «Die Familie habe jenes «spezifisch autoritäre Verhalten» erzeugt, «von dem der Bestand der bürgerlichen Ordnung weitgehend abhängt» (M. Horkheimer). Sie sei die «Untertanen­fabrik autoritärer Gesellschaften» und eine Voraussetzung des Kapitalismus. An die Stelle der Familie müsse das Kollektiv der «Kommunen» und «Wahlsippen» treten. Erst dann sei der Mensch emanzipiert.1
Der Hintergrund dieser Argumentation ist eindeutig, die Kinder sollen für den Wandel der Gesellschaft instrumentalisiert und dem schützenden Einfluss der Eltern entzogen werden. Die Erziehung der Kinder wird zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe erklärt und soll durch ausserfamiliäre pädagogische Einrichtungen wahrgenommen werden.
Die durch Erziehung, Bildung, Verhalten und Tradition über Generationen hinweg geschaffenen Leitplanken (Normen und Sitten) werden gesprengt, indem sie als hinterwäldlerisch, autoritär, konservativ und lebensfeindlich deklariert werden. So wurden die sogenannten Tugenden (Sparsamkeit, Treue, Leistungsbereitschaft, Ehrlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme) mit dem Etikett bünzlig, spiessig, autoritär, rechtskonservativ und nationalistisch ausgezeichnet.
Propagiert werden Hedonismus (lustvolles Leben), Weltbürgertum und unbegrenzte Freiheit bis hin zur Orientierungslosigkeit (Der Weg ist das Ziel.). Schon heute hinterlässt die sogenannte Befreiung der Menschen lebensfeindliche Spuren.

Familie als Spielball gesellschaftspolitischer Strömungen

Das in den Familien über Generationen hinweg gewachsene Wertesystem hat sich als effektives, natürliches Abwehrdispositiv gegen gesellschaftspolitische Desorientierung und Irreführung bewährt.
In einer intakten Familie werden die traditionellen Werte gepflegt, die Grundlage für die seelische Orientierung gelegt und damit ein Bollwerk gegenüber Modeströmungen, dem sogenannten Wertewandel, aufgebaut.
Für unsere Vorfahren war die Familie eine natürliche Lebensgemeinschaft der Eltern mit ihren Kindern. Inzwischen wird diese natürliche Lebensgemeinschaft aufgeweicht. Neue Formen des Zusammenlebens werden der Familie gleichgestellt. Mit der damit einhergehenden Abwertung werden aber auch die mit der Familie verbundenen Traditionen, die seit Generationen gefestigten Wertvorstellungen, die Fürsorge, die guten Sitten und damit die Wiege des Gemeinwesens desavouiert.
Schritt für Schritt wird die Erziehung der Kinder von den Eltern an ausserfamiliäre pädagogische Einrichtungen übertragen. Der ursprünglich als unantastbar geltende Erziehungsauftrag der Eltern wird verwässert und die Sorge um die leiblichen Bedürfnisse, die Pflege der geistigen, sittlichen und kulturellen Werte werden gezielt unterwandert. Der Erziehungsauftrag von Vater und Mutter verwischt sich durch den immer früher einsetzenden Einfluss ausserfamiliärer Institutionen.
Schon seit Generationen übernahmen Volksschule, Religionsgemeinschaften, Vereine und andere Organisationen Erziehungsmitverantwortung – aber immer mit dem Einverständnis der Eltern. Bis vor kurzem gab es auch noch keine versteckte Agenda und die demokratische Kontrolle funktionierte.
Die unbestrittene Erziehungshoheit der Eltern und das Milizsystem waren die beste Versicherung, dass Schulung und Bildung die Eltern- und Bürgerinteressen nicht verletzten. (Schulpflege). Es war dann ja auch eine der ersten Reformmassnahmen, die Kontrolle des Bildungswesens durch das Volk auszuhebeln. Man schaffte Elternräte, um eine Pseudomitwirkung der Eltern vorzugaukeln, doch die Entscheidungs-Kompetenz der Eltern in Schulfragen erfuhr eine erhebliche Rückstufung. Vor gut 30 Jahren mussten zum Beispiel die Eltern ihr Einverständnis für den Besuch des Sexualunterrichts auf der Mittelstufe der Primarschule mit ihrer Unterschrift bestätigen und heute bestehen Pläne, eine widernatürliche Sexualaufklärung auf der Kindergartenstufe als obligatorisch zu erklären.
Der familiäre Schutz der Kinder vor Sozialexperimenten wird durch diese Reduktion der elterlichen Autorität erheblich beeinträchtigt. Eine gefährliche Entwicklung, da das Ziel der Social-Reformer nicht das Wohl des Kindes ist, sondern das «Auftauen» der bisherigen Träger unserer Gesellschaft (Familie, Gemeinde und Staat). Äusserst strapaziert werden dabei die aufrichtige Sorge der Eltern um das Wohl ihrer Kinder und ein gesundes Demokratieverständnis durch den Tatbestand, dass die Ziele der Reformvorhaben weder offengelegt noch mit den Eltern und Bürgern ehrlich ausdiskutiert wurden.

Der Staat im Dienst der Reformen

In unserer modernen Gesellschaft greift der Staat immer mehr in die Privatsphäre der Bevölkerung ein. Beeinflusst durch internationale Organisationen (WHO, Unesco, WTO) und unter der Schirmherrschaft der herbeigeredeten Globalisierung tendieren die Staaten vermehrt dazu, zentralistisch-autoritäre Züge anzunehmen. Vor allem über das Bildungs- und Gesundheitswesen stellen sich der Staat respektive die zuständigen Verwaltungen in den Dienst der Reformer. Die Kinder werden immer früher eingeschult, sie werden klassiert und abgestempelt (Frühabklärung und Beurteilung). Der Lehrplan hat längst die Grenze des Lehrens der Grundfertigkeiten (Rechnen, Lesen und Schreiben) überschritten und greift nach dem Gemüt des Kindes.
Die Intimsphäre der Familie wird durch diese Schul- und Bildungspolitik verletzt. Das unantastbare Elternrecht (auch die Pflicht) auf Erziehung wird aufgeweicht und die auf die Wertvorstellungen der Eltern abgestimmte freie Wahl der Institution für die ausserfamiliäre Erziehung und Ausbildung der Kinder massiv eingeschränkt.

Die Bedeutung der Familie für das Kind, die Eltern und die Gemeinschaft

Die Bevormundung und Abwertung der Familie ist bewusste Strategie, um den Menschen für verderbliche gesellschaftspolitische Postulate empfänglicher zu machen. Daher sollten wir uns der Bedeutung der Familie und des Schutzes der Privatsphäre für unser Zusammenleben bewusst werden.
In der Familie gibt es Geborgenheit, sie bewahrt vor Angst und setzt den Rahmen für ein sorgenfreies Heranwachsen. Sie gibt den Kindern Orientierungshilfe und damit Sicherheit. Sie schützt alle Mitglieder, vor allem die Schwächeren (Frauen, Kinder, Behinderte, Betagte) können sich auf die familiäre Unterstützung verlassen. Sie bietet Nestwärme für die heranwachsenden Kinder. Erziehung wie auch die Sozialisierung (Beziehungsschulung) von Kindern und Erwachsenen haben ihre Wurzeln in der Familie.
Sie ist die wichtigste Erziehungs- und Bildungsgemeinschaft. Aus ihr geht eine persönlichkeitsbildende Kraft hervor. Sie ist die Schule für das Leben. Wir können sie auch als Schule für die Liebe, für den Frieden, für gegenseitige Hilfe und Rücksichtnahme bezeichnen.
In der Familie werden Leben, Tradition, Name und sozialer Status an die nächste Generation weitergegeben.
Teilweise etwas in Vergessenheit geraten ist die Familie als Arbeitsstätte (Gartenarbeit, Kochen, Nähen, Stricken, Vorräte anlegen, Waschen, Bügeln, Krankenpflege usw.). Würden diese Arbeitsleistungen innerhalb einer Familie wieder an Bedeutung gewinnen, dann hätten die Kinder einen natürlichen Kontakt zur Arbeitswelt und würden ganz natürlich in die Probleme und auch die Verantwortlichkeit der Berufsausübung hineinwachsen.
Für Pestalozzi ist es klar, dass es in erster Linie die Eltern (insbesondere die Mütter) sind, die ihr eigenes Kind als Individualität ins Auge fassen und dementsprechend in ganz individueller Weise auf das Kind eingehen können. Darum sind nach seiner Ansicht vorerst die Mütter, später auch die Väter, die ersten und wichtigsten Lehrer des Kindes. Die Wohnstube – das gesamte Leben in der Familie versinnbildlichend – ist der Ort, in dem sich vom ersten Lebensaugenblick an die Kräfte des Kindes auf naturgemässe Weise harmonisch zu entfalten vermögen.

Eltern und damit die gesamte Gesellschaft stärken

Diese Bedeutung der Familie müssen wir selbstsicher und mit aller Bestimmtheit hochhalten.
Veränderungen lassen sich nicht gegen den Willen der Menschen durchsetzen. Es liegt daher in unserer Hand, inwieweit wir das Feld der Erziehung den Gesellschaftsreformern überlassen.
Spätestens seit der Sexualisierung unserer Jugend im Kindergartenalter sind viele Eltern und Bürger wachgerüttelt worden.
Die Zeit ist reif, dass wir unsere Rechte und Pflichten wahrnehmen und Regierungen, Parlament und Verwaltungen, Schulpflege und Lehrkräften klar machen, was für eine Schule und Bildung wir für unsere Kinder wollen. Wir lassen unsere Kinder nicht im Sumpf der Sozialreformen untergehen. Daher wollen wir die demokratische Kontrolle über das Schul- und Bildungswesen wieder in die eigene Hand nehmen und fordern eine ehrliche, offene Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus.
Unsere Jugend wird uns sehr dankbar sein, denn sie hat die Nase von all dem Reformgehabe gestrichen voll. So zeigte das CS-Jugendbarometer, dass traditionelle Werte (Treue, eigene Familie, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit) bei der heutigen Jugend wieder einen höheren Stellenwert haben.
Dies bewegt den Soziologen Prof. Dr. Kurt Imhof allerdings zur Kritik, die Jugend von heute sei zu angepasst. Er lobt die Zeit der 68er und vermisst die Bereitschaft zur «Revolution».
Stellen wir uns an die Seite der Jugendlichen und fordern von den Eliten und Vordenkern, ihre Positionen neu zu überdenken und an Stelle der Vergangenheit die Realität unserer Zeit in ihre Überlegung einzubeziehen, um endlich brauchbare Beiträge zur Lösung der aktuellen realen Probleme zu leisten.
Bezogen auf die Familie und die Erziehung unserer Kinder braucht es klare und ehrliche Stellungnahmen, um den ideologisch begründeten Aktivismus staatlicher und halbstaatlicher Institutionen in die Schranken zu weisen. Dank der direkten Demokratie können die Bürger in der Schweiz Einfluss auf die Gesetzgebung, die Arbeit von Exekutive und Legislative nehmen. Dieser Einfluss erhält das notwendige Gewicht, wenn die Menschen zusammenstehen, unabhängig von Sozialstatus und politischer Gesinnung.
Abschliessen möchte ich mit einem Bild: An einem Morgen beobachtete ich einen Vater. Er führt seinen kleinen Sohn fest an der Hand und bringt ihn in den Kindergarten. Die Art, wie die beiden nebeneinander hergehen, der feste Händedruck, ist für mich Ausdruck des Vertrauens. Der Vater vertraut dem Kindergarten, dass sein Sohn liebevoll aufgenommen und das Wohl seines Kindes gefördert wird. Und der Sohn vertraut seinem Vater, dass der Vater ihn an einen Ort bringt, wo er nicht zu Schaden kommt.
Setzen wir uns dafür ein, dass dieses Bild für jedes Kind und jeden Vater weiterhin in Erfüllung geht.    •

1    Joseph Kardinal Höffner. Die christliche Gesellschaftslehre, Butzon & Bercker, Kevelaer 2002, S. 116

In nur 3 Monaten: Bereits 92'000 wollen keine «sexualisierte Schule»

ds. Wenn die von Politikern der CVP, FDP, SVP, EVP und EDU breit abgestützte Petition «Gegen die Sexualisierung der Volksschule » in nur 3 Monaten 91'816 Unterschriften erreicht, wird deutlich, dass es sich hier um ein Anliegen handelt, das viele Bürger beschäftigt. Wenn die Inhalte des Sexualkunde-Unterrichts, der bereits Kindern ab dem 4. Altersjahr übergestülpt werden soll, einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt wären, würde sich die Unterschriftenzahl schnell vervielfachen. Die Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder in der Schule «detailliert über sexuelle Praktiken wie Anal- oder Oralsex informiert» werden («Neue Luzerner Zeitung » vom 5. Oktober). Sie wollen nicht, dass die Schule unter dem Vorwand, die Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen, diese lehrt, ihre Geschlechtsteile zu betasten und von anderen betasten zu lassen  (Weltwoche, Nr. 40, 2011), und sie dazu anleitet, der Klasse einen Orgasmus vorzuspielen. Das ist «sexueller Missbrauch durch die Schule» (siehe  Zeit- Fragen, Nr. 39 vom 26. September). Die Zeit ist reif, dass sich in allen Gemeinden Elternkomitees bilden, die solch perversem Ansinnen entschieden Einhalt gebieten und bei den Schulbehörden in den Gemeinden und im Kanton vorstellig werden.