Der Profiteur – ein Finanzfaschismus?

von Jean-Antoine Cramer

Ich fühle mich heute verpflichtet, meine Stimme zu erheben, denn ich bin auf gewisse Sachverhalte aufmerksam geworden, die mir die Sprache verschlagen. Es erscheint mir notwendig, sie bekannt zu machen, statt sie unter den Teppich zu kehren, wie man das in unserem schönen Land gewöhnlich macht.
Bis heute dachte ich, dass die Schweiz den Schwerpunkt vor allem auf Erfindungsgeist und Schaffung von neuen Unternehmen legte. Es handelt sich hierbei jedoch um eine Nebelwand: Werden nicht bald das Gewicht der Verwaltung, ihre Anforderungen und ständig neuen Bestimmungen jegliche Bestrebungen für Erfindungen sowie die Schaffung von Unternehmen und neuen Arbeitsplätzen im Keime ersticken? Das Ganze wird begleitet von neuen Vorschriften im Bankwesen, Vorschriften als Folge unserer Unterwerfung unter das freiheitstötende amerikanische Gesetz «Patriot’s Act», das – unter dem Vorwand, unsere Völker vor den Gefahren des Terrorismus aller Art zu schützen – unsere Freiheiten und Rechte in extremer Weise einschränkt.
Internationaler Informationsaustausch, Verbot, die Grenzen mit grösseren Geldbeträgen zu überqueren, Freiheit für die Banken, von den Kunden, die grössere Beträge transferieren wollen, Begründungen oder die detaillierten Pläne über Projekte zu verlangen, in die sie investieren wollen – was diesen Banken ermöglicht, Geschäftsgeheimnisse in Erfahrung zu bringen und diese auszunutzen. So werden die Banken zu Richter und Partei unter Missachtung des elementaren Rechts der Kunden, über ihr Vermögen frei zu verfügen: systematische Verzögerung der Gutschrift empfangener Summen durch dieselben grossen Geschäftsbanken, um so zusätzliche Zinsen – die eigentlich dem Kunden zustünden – einstreichen zu können, sowie Verzögerung von Zahlungsaufträgen des Kunden, der eigentlich Eigentümer seines Geldes sein sollte. Soll das den guten Ruf des Finanzplatzes Schweiz stärken? Dieser ist arg beschädigt durch die ständigen Kehrtwendungen unserer Behörden im Zusammenhang mit dem Schutz unseres berühmt-berüchtigten Bankgeheimnisses.
Wem nützt denn der langsame und kontinuierliche Abbau dieses typisch schweizerischen Sektors der Banken und der Vermögensverwaltung, Schöpfer von Reichtum und Beschäftigung für unser Land, wenn nicht denen, die diese Aktivitäten gerne zum Verschwinden bringen würden: die Finanzplätze Londons und der USA, die amerikanischen Geschäftsbanken und gewisse diskrete internationale Interessengruppen, zu denen auch Führer aus Industrie und Politik unseres Landes gehören und deren Ziel darin besteht, die Welt zu beherrschen, indem sie die nationalen Regierungen und die patriotischen Gefühle der so dominierten Völker zum Verschwinden bringen.
Die Frage, die sich stellt, ist folgende: Gleiten unsere Regierungen langsam und sukzessive von der Demokratie zum Faschismus, um schliesslich diese Ziele möglichst reibungslos zu erreichen? Das ist die beängstigende Frage, die aufkommt, angesichts des langsamen Voranschreitens der unterschiedlichen und vielfältigen Massnahmen, die getroffen werden, um unsere Freiheiten unter der uns überschwemmenden Flut von «political correctness» zu ersticken.     •

(Übersetzung Zeit-Fragen)