Die Bären und die Katzen

Sieben kleine Bären gingen trippel-trappel durch den Wald, hielten sich brav bei den Vordertatzen. Es standen sieben kleine Katzen bei der Pappel am Bach und sagten: «Ach, wären wir drüben – miau!» Da nahmen die sieben kleinen Bären die sieben kleinen Katzen auf ihre Rücken und sagten: «Wir sind stark, es wird uns schon glücken.» Die Katzen machten die Augen zu vor Ängsten – und der kleinsten war am bängsten. Als sie am andern Ufer waren, sagten die sieben Kätzlein artig das Sätzlein: «Wir danken schön.» «Es ist gern geschehen», sagten die Bären und meinten auch, «Ja – wenn wir nicht wären!»

Aus dem Arbeitsheft zur Prävention

«Mobbing ist kein Kinderspiel»

Arbeitsheft zur Prävention in Kindergarten und Schule

zf. Das hochkompetente Autorenteam Stefan Valkanover, Françoise D. Alsaker, Andrea Svrcek und Marianne Kauer hat ein Handbuch für Kindergärtnerinnen und Lehrer zum Berner Präventionsprogramm gegen Mobbing und andere Gewaltformen im Kindergarten und in der Schule ausgearbeitet, das seinesgleichen sucht. Das Spezielle daran ist, dass es ganzen Lehrer-Teams ermöglicht, sich eigenständig in alle emotionalen und rationalen Facetten dieses komplexen Problems einzuarbeiten und ein für ihre Schule, für ihre Gemeinde stimmiges Vorgehen zu entwickeln. Daraus ergibt sich ein Vorgehen, das dann auch mit innerer Überzeugung aller am Prozess Beteiligten durchgeführt werden kann. Im Vorwort heisst es:

«Mobbing ist eine spezielle Ausdrucksform von Gewalt. Sie richtet sich systematisch gegen bestimmte Opfer. Ob im Klassenzimmer, auf dem Pausenplatz oder auf dem Schulweg, es sind oft die subtilen, schwer erkennbaren Quälereien, die den Opfern am meisten zu schaffen machen. Zuweilen werden aber auch massive Formen der Einschüchterung, Ausgrenzung und Gewalt angewendet, die das Opfer in zunehmende Isolation hineinführen können. Mobbing ist aber nicht nur für die Opfer, sondern auch für Täterinnen und Täter, Mitläuferinnen, Mitläufer und auch für die nicht aktiv in das Mobbing involvierten Kinder eine negative Erfahrung, die oft schon im Kindergartenalter ihre Wurzeln hat. Lehrpersonen darin zu unterstützen, diese Spirale von Gewalt, Belästigung und Ausgrenzung zu erkennen und effektive Handlungsstrategien gegen Mobbing zu entwickeln, ist Ziel dieses Arbeitsheftes.
Das vorliegende Arbeitsheft ist für Lehrerinnen und Lehrer im Kindergarten und in der Schule konzipiert, die regelmässig in Zusammenarbeit mit andern Lehrpersonen am Thema Mobbing arbeiten möchten. Dies kann einerseits in Form eines Kurses mit einer professionellen Kursleitung geschehen. Es ist aber auch möglich, dass eine Gruppe interessierter Lehrpersonen beschliesst, das Thema Mobbing gemeinsam zu erarbeiten, ohne dabei von einer Kursleiterin oder einem Kursleiter begleitet zu werden.
Dieses Arbeitsheft führt durch verschiedene Themenbereiche, welche in der Mobbing-Prävention wichtig sind. Mit Verweisen auf entsprechende Buchkapitel oder Filmsequenzen, mit Vorschlägen für Diskussionsrunden oder Gruppenarbeiten und einer Reihe von Umsetzungsvorschlägen für die Praxis (Ideenblätter) will dieses Arbeitsheft Lehrerinnen und Lehrer ermutigen, sich mit dem Thema Mobbing im Kindergarten und in der Schule auseinanderzusetzen.
Nachhaltige Präventionsarbeit im Kindergarten- oder Schulalltag, das heisst, Mobbing im Klassenverband zu einem Thema zu machen, Regeln gemeinsam mit den Kindern zu erarbeiten und regelmässig zu reflektieren sowie bei Plagevorfällen konsequent einzugreifen. All dies kann nicht nur als Prävention von Mobbing, sondern auch als Prävention gegen weitere auffällige Verhaltensweisen, Entwicklungsstörungen und einem schlechten Klassenklima betrachtet werden.
Ein entspanntes und faires Klima in der Gruppe ist eine notwendige Basis, damit Kinder und Jugendliche ihre persönlichen, sozialen und kognitiven Kompetenzen weiterentwickeln können. Mobbing-Prävention sollte daher nicht nur ein selbstverständliches pädagogisches Ziel darstellen, sondern leistet auch einen Beitrag zur Friedensförderung – die immer im k leinen beginnen muss.»    •

Quelle: Stefan Valkanover, Françoise D. Alsaker, Andrea Svrcek, Marianne Kauer: Mobbing ist kein Kinderspiel. Arbeitsheft zur Prävention in Kindergarten und Schule, 2004, ISBN 3-292-00185-4

Regeln aushandeln

Überall da, wo Menschen sind, braucht es Normen und Regeln, um das Zusammenleben in der Gemeinschaft zu organisieren und um Verständigung in den Gruppen zu gewährleisten. Gerade für Kinder ist das Setzen von Grenzen in Form von verbindlichen Regeln zentral. Klare Grenzen erleichtern die sozialen Interaktionen, sie geben Spielraum, weil die Kinder sich nicht auf das Austesten der Grenzen, sondern auf die Inhalte konzentrieren können. Regeln sind zudem eine wichtige Bedingung für die Selbstdefinition und Identitätsfindung. Ebenfalls wichtig ist aber auch die Frage, wie damit umgegangen wird, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. [...] S. 34

[...] Die Einführung von Regeln in der Klasse ist nicht nur wichtig, um Täterinnen und Tätern aufzuzeigen, dass ihr Verhalten gegenüber den Opfern nicht weiter toleriert oder ignoriert wird. Regeln helfen auch den sogenannten unbeteiligten Kindern, den Mut aufzubringen, die Täterinnen und Täter an die vereinbarten Regeln zu erinnern oder Hilfe zu holen, wenn es nötig ist. Die Regeln machen nämlich deutlich, dass gewisse Verhaltensweisen in der Gruppe inakzeptabel sind, und dass es kein Petzen ist, wenn man jemanden zu Hilfe holt (vgl. Buch «Quälgeister und ihre Opfer» Abschnitt 12.3.3 «Zivilcourage», Seite 275). S. 35

Förderung von sozialen Fertigkeiten und Selbstwert

Konsequentes Sanktionieren von Regelverstössen bedingt den Miteinbezug und die Unterstützung von anderen Kindern in der Klasse, die nicht direkt betroffen sind, die aber möglicherweise Angst haben, sich direkt als Helfende in die Mobbing-Situationen einzumischen. Nur wenn jene Kinder ihr Schweigen brechen und ihre Lehrpersonen über «Mobbing-Vorkommnisse» in der Klasse informieren, können die Opfer-Kinder und letztendlich alle in der Klasse aus dieser lähmenden Situation schrittweise herausfinden.

Um insbesondere den nicht aktiv beteiligten Kindern ihre Mitverantwortung bewusst zu machen, sind die sozialen Fertigkeiten der Kinder ganz allgemein zu fördern. [...] S. 40

[...] Mobbing ist – wie schon mehrfach erwähnt – nur vordergründig ein Problem, das zwischen den Täterinnen/Tätern und deren Opfern besteht. Mobbing ist eine soziale Dynamik innerhalb einer Gruppe, an welcher auch die nicht direkt beteiligten Kinder durch ihre Passivität beteiligt sind und einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Mobbing-Dynamik leisten. Um Mobbing in einer Gruppe zu stoppen, genügt es oft nicht, Verhandlungen zwischen den Täterinnen/Tätern und dem Opfer zu führen. Vielfach ist es notwendig und wichtig, die konkreten Vorfälle mit der ganzen  Klasse zu thematisieren, damit die nicht direkt ins Mobbing involvierten Kinder an ihrer Mitverantwortung am Geschehen erinnert werden. Viele der nicht direkt am Mobbing beteiligten Kinder stellen – wie bereits mehrfach erwähnt – Ressourcen dar und können mobilisiert werden, damit sie sich für die Opfer einsetzen. [...] S. 41f

Einbezug der Familien: Elternarbeit

[...] Wenn Mobbing mit den Kindern thematisiert wird, wenn gemeinsam Regeln entwickelt und durchgesetzt werden und Sie (die Lehrer) versuchen, die sozialen Kompetenzen der Kinder ganz bewusst zu fördern, ist es hilfreich, auch die Eltern der Kinder über Mobbing zu informieren und zu sensibilisieren.

Es sollte ein Ziel sein, die geltenden Regeln, in Kindergärten und Schulen, nach aussen zu tragen und gerade auch den Eltern verständlich darzulegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Kinder aus Familien unterschiedlichster Herkunft stammen und daher möglicherweise auch unterschiedliche Erziehungsvorstellungen vertreten werden. Diese müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden, wohl können sie aber transparent gemacht und gemeinsam reflektiert und diskutiert werden.

Es ist für Kinder nicht unbedingt notwendig, dass im Kindergarten oder in der Schule und zu Hause dieselben Regeln gelten; wichtig ist aber, dass es überhaupt verbindliche Regeln gibt, an welchen sich die Kinder orientieren können. Ein Ziel der Elternarbeit im Zusammenhang mit der Prävention von Mobbing sollte sein, dass die Eltern die Kindergarten- oder Schulregeln kennen und ihrem Kind zu verstehen geben, dass sie hinter diesen stehen, auch wenn sie vielleicht nicht dieselben sind wie jene zu Hause. [...] S. 44

Auszüge aus: Stefan Valkanover, Françoise D. Alsaker, Andrea Svrcek, Marianne Kauer: «Mobbing ist kein Kinderspiel. Arbeitsheft zur Prävention in Kindergarten und Schule», 2004, ISBN 3-292-00185-4