Ein Schritt, um die Marktwirtschaft gegen offenkundigen Missbrauch aus dem Innern zu schützen

Eidgenössische Volksabstimmung vom 3. März 2013 zur Initiative «Gegen die Abzockerei»

von Hansrudolf Schmid*

68% der Schweizer Stimmenden haben einer Verfassungsergänzung über «Bonzen»-Gehälter zugestimmt. Das Verdikt vom Sonntag war klar: Aktionäre von öffentlich eingetragenen Unternehmen werden bei den Gehältern verbindlich mitbestimmen können.
Allerdings sind viele Kommentare zur Initiative bestenfalls verwirrend. Eine Mass­nahme, die von ihrer Intention her liberal ist, wird als «restriktiv», als «Drosselung der Vergütung der Manager» und «nicht unternehmerfreundlich» bezeichnet. Dass die Schweizer Lösung mit dem Vorschlag der Europäischen Union zur Deckelung der Boni der Banker in Verbindung gebracht wird, vernebelt ihre Verdienste zusätzlich.
Die Schweizer haben nicht dafür abgestimmt, ihre liberalen Körperschaftsrechte zu unterminieren. Ganz im Gegenteil haben sie einen Schritt getan, um die Marktwirtschaft gegen offenkundigen Missbrauch aus dem Innern zu schützen. Manager von Unternehmen und all jene, die von ihnen abhängig sind, haben das System korrumpiert. Allein die Tatsache, dass ihre Interessen gemeinhin mit denen des Betriebes durcheinandergebracht werden, ist ein Beleg für diesen Punkt.
Spitzenangestellte haben das Machtvakuum, das sich im Laufe der Zeit entwickelte, ausgenutzt, da die Eigentümerschaft grosser Unternehmen mit verstreuter Aktionärs­basis schwach wurde. Es war an der Zeit, die Verantwortlichkeit der Manager gegenüber den Aktionären zu erhöhen. Das mag für die Führungskräfte nicht von Vorteil sein, es gibt aber denjenigen Auftrieb, die sie finanzieren und das Geschäftsrisiko tragen.
Aus der Sicht eines Kapitalisten ist die Abstimmung unternehmerfreundlich. Ausserdem bleiben die Schweizer zurückhaltende Regulierer. Managergehälter sollen von der Regierung weder festgelegt noch begrenzt werden. Allerdings ist das «Du sollst nicht stehlen» wesentlich genug, um gestärkt zu werden. «Frag, bevor Du nimmst» gehört zu den ersten Regeln, die wir unseren Kindern beibringen. Leider müssen Führungskräfte der Unternehmen erneut unterrichtet werden.
Der Griff nach der Macht durch die bezahlte Elite in der entwickelten Welt ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. Genauso wie sich Aktionäre wundern, ob Manager für sie arbeiten, fragen sich die Menschen zunehmend, ob Politiker, Regierungen und Zentralbanken ihre Interessen im Auge haben.
Je mehr die systemweite Hebelung zunimmt, desto weniger stimmt der Anreiz der Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik mit den Interessen der Öffentlichkeit überein. Die massiven Rettungsaktionen zunächst für private Unternehmen und dann für ganze Länder haben den Ton angegeben. Inflation, die das Realeinkommen der Mittelklasse treffen wird, wird als einfachster Weg aus dem finanziellen Fiasko anvisiert.
Die Schweiz ist gut ausgerüstet, um Vertretungsprobleme früher als andere anzugehen. Das Recht, über Volksinitiativen abzustimmen, gibt den Schweizern die Möglichkeit, sich selbstbedienende Eliten zu umgehen, wenn es nötig wird.
Der Ruf der Schweiz gründet auf der Verteidigung der individuellen Freiheit und der Eigentumsrechte. Es war einmal mehr an den Schweizer Bürgern, die freiheitliche Verfassung ihres Landes zu schützen. Die Welt nimmt es zu Kenntnis.    •

* Hansrudolf Schmid ist Präsident der HSZ Group, Hong Kong, und Mitglied des Unterstützungs­komitees der Initiative und des Vorstandes von ­superbonus2013.ch 
Quelle: South China Morning Post/Homepage
Initiativkomitee: www.abzockerinitiativeja.ch
(Übersetzung Zeit-Fragen)